Wir kommen wieder nach Hause!

Vor ziemlich genau einem Jahr sind wir aus Kroatien gestartet, um auf eigenem Kiel das Mittelmeer zu durchqueren und über den Atlantik zu segeln. Gestern wurde unser Schiff auf den Frachter verladen, um auf diesem Weg anfangs Juni Mallorca zu erreichen. Wir sitzen in der gemieteten Cottage auf Antigua und warten auf den Flieger in die Schweiz.

Eine gute Gelegenheit auf das vergangene Jahr zurück zu blicken und ein Resumée zu ziehen.

Das beste Jahr unseres Lebens!

Wir sind in den vergangenen 12 Monaten und weiteren rund 10.000 Seemeilen definitiv auf unserem Schiff angekommen. Das Schiff ist unser neues zu Hause. Mit eigenem Haus unterwegs zu sein ist ein Luxus das wir zu schätzen wissen. Nicht in anonymen Hotels übernachten müssen, keine Koffer packen müssen und trotzdem immer auf seine persönlichen Sachen zurückgreifen können, keine Zeit an den Flughafen vergeuden  und trotzdem immer wieder neue Orte zu entdecken. Das gefällt uns beiden sehr!

Als wir uns in  dieses Abenteuer gestürzt haben, waren wir uns keineswegs sicher ob das gut kommt. Als Paar auf den Weltmeeren unterwegs zu sein und jede Minute des Tages zusammen zu verbringen. Das ging gut, sehr gut sogar. Caro ist ein toller Partner und Crew-Mitglied.  Bis auf die langen Strecken, die nicht so ihr Ding sind, hat sie die Freude am Segeln entdeckt und die entspannte Art zu reisen sehr genossen. Mit paar T-Shirts, kurzen Hosen und Flip-Flops ein ganzes Jahr auszukommen, entspannt enorm. Der Zweierhaushalt gibt fast nichts zu tun. Die Wäsche wird von der Wäscherei gemacht. Putzen tut man laufend ein wenig. Und das war es!

Ansonsten galt es, sich auf eigene Bedürfnisse auszurichten und nur nach Wind und Wetter den Tag zu planen. Mit der Sonne aufstehen und wenn es dunkel wird zu Bett gehen, vergessen welcher Wochentag es ist, sich einfach treiben lassen. Wir schätzen diesen Luxus sehr.

Erkenntnisse

Zwei Sachen haben wir in den letzten 12 Monaten auch gelernt:

Probleme sind wie Flugzeuge – aus der Nähe gewaltig und in der Ferne so klein!  

Die Räumliche Distanz zum Alltag lässt die Sorgen und Probleme des Alltags kleiner werden. Für Einen wie mich, der sich gerne kümmert und Sorgen macht, eine Befreiung!

Wenn Du überall zu Hause sein möchtest, darfst Du nirgendwo zu Hause sein!         

Seit meiner Geburt war ich in jeder Phase meines Lebens «ein Fremder». Selbst in eigener Heimat, sobald man sich 50 km von zu Hause entfernt, ist man ein Fremder. In einem fremden Land sowieso. Ich fragte mich immer wieder: Wo bist Du eigentlich zu Hause? Nun weiss ich es: Nirgendwo und Überall. Das Nirgendwo war manchmal schwer zu ertragen. Heute weiss ich aber, dass das ÜBERALL nur dank NIRGENDWO möglich ist. Wenn Du das Alte nicht loslassen kannst, wirst du das Neue nie entdecken!

Verreisen heisst auch das Lästige hinter sich zu lassen!

Pendeln zwischen verschiedenen Kulturen, erlaubt es einem, Neues zu entdecken, aber auch die Schattenseiten des Lebens, die es überall gibt, einfacher zu ignorieren. Sobald sie zu fest in Erscheinung treten und lästig werden,  zieht man einfach weiter. Deshalb: «Mach es wie die Sonnenuhr, zähle die sonnigen Stunden nur!»

Kehrseite?

Ja, die gibt es auch.  Das Unterhalten und Pflegen von einem Schiff erfordert viel Geduld und eine ordentliche Summe Geld. Auf der ganzen Welt gibt es Handwerker die gut und weniger gut sind. Die sind alle gleich teuer und zum voraus nicht so einfach voneinander zu unterscheiden. Inzwischen kennen wir aber ein paar Gute und die werden wir auch wieder berücksichtigen.  Die Anderen werden wir tunlichst meiden!

Wir haben auch gelernt, dass nicht alles sofort in Ordnung gebracht werden muss. Sonst läuft man ständig den Handwerkern nach. Wir planen lieber alle paar Monate einen längeren Werftbesuch und bringen dann für einen Moment alles in Ordnung. Am nächsten Tag wird eine neue Reparaturliste angelegt.  

Soziale Kontakte (in Zeiten von „Social Distancing“ – das Unwort des Jahres 2020)

Ja, wir sehen unsere Freunde und Verwandte in der Schweiz nicht so oft. Die Kinder waren mehrmals bei uns in den vergangen 12 Monaten. Caro war paarmal  in der Schweiz. Ich nie. Wir sind uns bewusst dass diese Reise nur deshalb möglich war, weil unsere Söhne den nächsten Lebensabschnitt so gut gemeistert haben und Rösli so tapfer ihren Weg geht. Auch ohne meine Schwester, die sich um unser Haus in Kroatien kümmert wären wir kaum weg gekommen. Wir sind dankbar dafür.

Ansonsten gibt es Whatsapp calls und viele andere Möglichkeiten mit den Zuhause gebliebenen zu interagieren. Auch dieser Blog erlaubt unseren Freunden mit uns auf die Reise zu gehen und unsere Freuden und Leiden zu teilen. Unsere Freunde sind noch alle berufstätig und die persönlichen Treffen würden sich ohnehin auf  Freitag und Samstag Abend beschränken. Was macht man als Frührentner den Rest der Woche?

Wir haben auf der Reise viele neue Menschen kennengelernt  und auch Freundschaften geschlossen.  Die Wege kreuzen sich immer wieder, die Nachbarn in der Bucht sind immer wieder dieselben. Es gibt tägliche Funkrunden, um Informationen auszutauschen oder einfach miteinander zu plaudern. Gerade in der Covid-Phase eine sehr willkommene Abwechslung und eine wichtige Ressource, um über die Runden zu kommen.

Wo ist es schöner: Mediterran vs. Karibik?

Wir lieben das Mittelmeer mit seiner kulturellen Vielfallt, feinen Restaurants, mittelalterlichen Städten und lockeren Lebensart. Wenn wir hier das ganze Jahr segeln könnten, hätten wir wahrscheinlich Gibraltar nie passiert.

Das Mediterrane haben wir anfänglich in der Karibik vermisst. Mit der Zeit lernten wir aber auch die Vorzüge der Karibik kennen: angenehmes Klima, Temperaturen die selten über 30 Grad steigen, Wassertemperatur von 26 Grad, traumhafte Segelbedingungen mit konstanten Passatwinden von 15 bis 22 Knoten. Da der Wind immer aus östlicher Richtung weht, findet man auf der Westseite der Inseln unzählige Buchten und Ankerplätze, wo man bei ruhigen Wasser viele Tage und Nächte ungestört die Ruhe und Naturschönheit geniessen kann. Kein Gedränge in den Buchten, kein Seegang, kein Ankersalat, keine Hektik und keine teueren Marinas wie manchmal im Mittelmeer. Man kann in der Karibik ohne Weiteres ein halbes Jahr verbringen ohne je eine Marina zu besuchen und wenn man sich dafür entscheidet, bekommt man meistens einen grosszügigen Platz zu vernünftigen Preisen. Fazit: Sommer im Mittelmeer und Winter in der Karibik wäre für uns  die beste aller Segelwelten!

Und hier die letzten Karibikbilder dieses Jahres. Antigua leert sich langsam vor der Hurrican-Season. Der Flughafen ist noch immer geschlossen. Neue Touristen wird es bis Ende Juni wahrscheinlich nicht geben.

Wir haben es geschafft zwei Plätze auf einem Privatflug nach Point-à-Pitre für morgen Freitag, 22. Mai 2020 zu ergattern und können ohne Quarantäne in Guadeloupe auf den Flieger nach Paris umsteigen. Wenn alles gut geht können wir am Samstag um 12.20 den TGV nach Basel besteigen.

Nun freuen wir uns auf unsere Familie und Freunde. Den Sommer werden wir in der Schweiz und Kroatien verbringen. Vielleicht mal wochenweise auch Segeln gehen. Wenn die Häfen im Mittelmeer im Herbst wieder offen sind und das Leben in Europa wieder ein wenig lustvoller wird, spätestens dann wollen wir wieder aufs Schiff. Fortsetzung folgt!

Antigua forever…

Ja, wir sind noch immer nicht viel weiter. Macht euch aber keine Sorgen. Es geht uns gut und wir haben hier alles was wir benötigen um anständig über die Runden zu kommen. Es gab bisher kumulativ 25 bestätigte Covid-Fälle auf der Insel. Die meisten Patienten sind aber bereits geheilt, sodass wir ab Mitte Mai weitestgehende Lockerung der Covid-Massnahmen erwarten. Die Flugverbindungen zu den anderen karibischen Inseln und nach Europa werden jedoch frühestens im Juni wieder aufgenommen. Man will hier verständlicherweise keine importierten Covid-Fälle haben, wenn auch die Wirtschaft dringend frische Gäste braucht. Antigua gehört zu den entwickelten Karibikstaaten. Leider kommen 45% der Einnahmen direkt aus dem Tourismus. Weitere 30 % hängen indirekt vom Tourismus ab. Gerade gestern hat der Premierminister Gaston Brown einen dramatischen Appel an seine „Brothers and Sisters“ gerichtet. Dem Land stehe die grösste Wirtschaftskrise in der Geschichte bevor. Es wird noch lange dauern bis sich die Besucherzahlen in der Karibik auf dem Niveau vor der Covid-Pandemie einpendeln werden. Dabei hat sich Antigua erst gerade vom Hurrikan Irma erholt, welcher in 2017 über die Insel fegte.

Wartungsarbeiten

Zur Zeit sind wir in der Jolly Harbour Werft und treffen hier die letzten Vorbereitungen für den Verlad des Schiffes. Wir haben das Ruderblatt repariert und alle Bestandteile der Jeffa-Steueranlage gereinigt, geschmiert und eingestellt. David (Tarzan) und sein Bruder Arthur (Speedy) von der Firma „Multitask-Services“ gehen jedem kleinen Problem auf den Grund. Von der Mechanik, über Elektrik bis zu Metallarbeiten, sie beherrschen einfach alles! Sie sind aber auch sonst ganz patente Kerle. Die Volvo-Maschine wurde auch gewartet und das Bugstrahlruder komplett zerlegt. Die beschädigte Klappe des Bugstrahlruders wurde nicht mehr repariert sonder im Fiberglas neu gebaut. Nächste Woche wird die Entsalzungsanlage konserviert und das Dinghy zusammen gelegt. Viel mehr kann man zur Zeit am Schiff nicht machen.

Neue Leidenschaft

Ich wollte schon immer in das Thema Spleissen und Takeln eintauchen. Gespleisstes Tauwerk funktioniert zuverlässiger und sieht auch besser aus. Gespleisste Verbindungen weisen auch eine um bis zu 40% höhere Arbeitslast auf als Knoten. Auch die Dyneema-Softschäkel sind sehr einfach herzustellen und kosten wesentlich weniger als im Laden gekauft. Mit einem Buch und passender DVD kann man sich das Thema schnell und einfach erschliessen. Hier ein paar Beispiele:

Wie geht es weiter?

Es sind bald zwei Monate vergangen seit dem Ausbruch der Covid-Pandemie und nach wie vor sind die meisten Häfen in Europa für Segler geschlossen. Die Azoren kann man nur im Notfall anlaufen. Lediglich auf Horta kann man Wasser und Diesel tanken und sich Proviant an Bord liefern lassen. Man darf das eigene Schiff aber nicht verlassen. Alle anderen Inseln darf man nicht anlaufen.

Wir wollten ursprünglich auf eigenem Kiel zurück nach Europa segeln und auf den Azoren einen Monat lang zwischen den Inseln verweilen. Im „Delivery-Törn-Modus“, ohne Halt nach Europa durchzusegeln, wäre eine trostlose Plackerei. Die Entscheidung das Schiff zu verladen war auch im Nachhinein für uns die beste aller Optionen.

So sieht es dann in zwei Wochen bei uns aus!

Nun ist es auch bald soweit! Das Frachtschiff BBC PEARL wird am 13. Mai aus Fort Lauderdale (Florida) kommend in St. Johns (Antigua) anlegen und bis zum 17. Mai insgesamt 26 Schiffe verladen. Am 18. Mai geht es dann nach Mallorca und Genua weiter. VIVA wird von der Hanse-Vertretung auf Mallorca in Obhut genommen und in der Marina in Palma vertaut. Mitte Juni wird sie auf ihren alten Stammplatz nach Valencia transferiert, wo wir für die Zeit bis Ende August einen Full-Service-Vertrag abgeschlossen haben. Wir wollen Juli und August in der Schweiz und in Kroatien verbringen. Wir freuen uns auf Euch!

Wieder „obdachlos“

Das Schiff war in den vergangenen 12 Monaten unser einziges Zuhause. Auch wenn wir froh sind, dass wir das Schiff rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, ein wenig tut es uns schon weh von Bord zu gehen und ein neues Dach über dem Kopf zu suchen. Die Nachfrage nach Wohnungen ist aufgrund der aktuellen Situation hier auf Antigua regelrecht zusammengebrochen. Die Auswahl ist entsprechend gross. Wir werden nächste Woche eine Cottage im English Harbour beziehen und hier auf den Flieger in Richtung Europa warten. Wir hoffen, dass in der zweiten Hälfte Juni hier was gehen wird.

Ausgangssperre „light“

Wenn das noch lange weiter geht….

Wir sind als eines der letzten Schiffe am 26. März in Antigua eingereist. Einen Tag später wurden die Grenzen geschlossen und seit 2. April gilt zwischen 12.00 Uhr und 7.00 morgens die Ausgangssperre, vorerst für eine Woche. Wir gehen aber davon aus, dass morgen die Regierung von Antigua und Barbuda die Ausgangssperre um mindestens eine Woche verlängern wird. Die Massnahmen der Regierung sind aber sehr ausgewogen, alles passiert hier mit Augenmass, Einkäufe sind täglich zwischen 7.00 und 12.00 Uhr möglich, es ist praktisch alles erhältlich. Auch die Marina, die Werft und der Marinashop bieten einen reduzierten Vormittags-Service an. Eigentlich alles soweit OK!

Unser Ankeplatz liegt vor der Marina Jolly Harbour, ganz weit draussen vor der Hafeneinfahrt. Das Wasser ist hier sauberer als im Innenbecken und der Wind bring ein wenig Erfrischung. Mit dem Dinghy geht es dann quer durch die Marina zum Lebensmittel einkaufen.

Matteo hatte einen Flug in die Karibik für den letzten Samstag gebucht. Geplant war es, dass er die Osterferien mit uns verbringt. Wir haben uns sehr darauf gefreut und die Angelausrüstung bereit gelegt. Leider wurden alle Flüge abgesagt. Man kommt weder in die Karibik noch von hier aus nach Europa zurück. Einer der letzten Besuche war Lina, unsere Nachbarin aus Oberwil-Lieli. Sie musste aber den Besuch abbrechen und den ersten Flieger von Guadeloupe über Paris in die Schweiz nehmen.

Wie schaffen das!

Nach der anfänglichen Verwirrung hat sich irgendwie die Einsicht durchgesetzt, dass man die Situation akzeptieren muss und vorerst nichts ändern kann. Die Segler bleiben ruhig und versuchen aus der Situation das Beste zu machen. Die meisten Segler gehen davon aus, dass eine gewisse Lockerung sowohl hier wie auch in Europa bis Ende Mai eintreten dürfte. Es haben sich mehr oder weniger 4 Gruppen gebildet:

  • Die Amerikaner und Kanadier werden bereits im April die Rückreise in ihre Heimatländer antreten. Sie benötigen kein USA Visum und können die Reise mit vielen Zwischenstopps vor den ersten Hurricans relativ locker hinter sich bringen
  • Eine zweite Gruppe bleibt in der Karibik und sucht sich einen Hurrican-Shelter im Süden, ausserhalb des Hurrican-Belts – meistens in Grenada. Je nach Versicherungsgesellschaft heisst das, das Schiff auf einem Trockenplatz zu lagern und die Hurrican- und Regenzeit in einem AirB&B zu verbringen. Es gibt Versicherungen die Ihren Kunden auch einen Platz im Wasser erlauben. Dann kann man natürlich auf dem Schiff wohnen. Unsere Freunde die diese Variante gewählt haben, wollten die Zeit für eine ausgedehnte Nord- oder Südamerika-Reise nutzen. Diese Idee haben aber alle fallen lassen müssen.
  • Eine grosse Gruppe vor allem Deutscher-Segler wird von hier aus im Mai die Azoren anlaufen und dann weiter in Richtung England / Deutschland segeln. Sie bemühen sich zur Zeit auf diplomatischem Wege zu erwirken, dass sie entlang der Route einzelne Häfen in Portugal / Spanien und Frankreich im Notfall anlaufen dürfen. Heute ist das leider nicht möglich. Das ist für viele schwer verständlich, da die Schiffe, bevor sie einen Hafen in Europa anlaufen, mindestens drei Wochen unterwegs sind und so kaum Virus einschleppen können. Die meisten Segler verordnen sich, aus eigenem Interesse, bereits zwei Wochen vor der Abreise eine freiwillige Quarantäne, weil sie sicher gehen wollen, dass sie unterwegs nicht erkranken. Die Schiffe können keine zusätzliche Crews einfliegen und sind somit mit kleinen Crews unterwegs, teilweise alleine, teilweise Ehepaare mit kleinen Kindern. Sie alle konnten die Schiffe hier zur Zeit nicht warten und hatten nur teilweise Zugang zu den nötigen Ersatzteilen. Wir haben einen grossen Respekt vor diesen mutigen Seglern und drücken allen den Daumen, dass alles gut kommt!
  • Die vierte Gruppe wird das Schiff mit einem der Anbieter von Martinique, Guadeloupe oder hier aus Antigua nach Europa verschiffen. Auch wir haben für die Viva einen Platz auf dem Frachter nach Europa gefunden. Anfangs Mai geht es von St. Johns / Antigua nach Mallorca. Wenn alles gut geht, liegt die VIVA Ende Mai in ihrem alten Heimathafen auf Mallorca. Die Hansevertretung in Palma wird sich um sie kümmern, bis wir dann mal in Europa angekommen sind und nach Spanien reisen dürfen. Vorerst werden wir uns ein AirB&B in Antigua suchen und fleissig die Flugpläne studieren. Wir hoffen bis Ende Mai einen Flieger nach Europa besteigen zu können. Am ehesten von Guadeloupe oder Martinique und dann über Paris.
  • Viele wollten wissen, wie ein Schiff auf den Frachter verladen wird. Hier eine spannende Variante:
Eine andere Variante um ein Schiff zu verladen. Spannend!

Und jetzt?

Jetzt heisst es Geduld haben, gesund bleiben und die Zeit in der Quarantäne sinnvoll nutzen. Die Situation ist dieselbe wie in Europa. Unsere Lieben zu Hause sind auch eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit und kommen nicht aus dem Haus. So geht es uns auch. Auf dem Schiff hat es immer was zu tun. Bevor das Boot verschifft wird müssen die Segel, das Bimini und Sprayhood runter, der Achterstag wird für den Verlad gelöst und danach wieder fixiert, der Mast bleibt aber stehen. Die Vorräte an Lebensmitteln müssen aufgebraucht oder entsorgt werden. Einzig unsere Rum-Kollektion wird den Weg nach Europa machen! Ob der Rum auch drüben so gut schmeckt wie hier? Wir werden es sehen!

Das Wetter ist nach wie vor sehr schön. Lufttemperatur knapp unter 30 Grad, Wassertemperatur bei 26 Grad. Schwimmen ums Boot oder mit dem SUP paddeln im Umkreis von einem Kilometer darf man auch während der Ausgangssperre.

Morgens um 9.00 gibt es die erste formelle Funkrunde mit den Seglern hier in Jolly Harbour. Um 9.30 findet die zweite, deutschsprachige Runde auf dem Kanal 72 statt. Abends um 17.30 Uhr trifft man sich wieder auf dem Kanal 74 zur Apero-Runde. Jeder erzählt was er gerade im Glas hat und wie er den Tag verbracht hat. Am Schluss gibt es ein Länderquiz. Caro hat heute das Quiz über die Schweiz moderiert. Morgen bin ich dran mit Kroatien. Die Tage vergehen sehr schnell in dieser netten Runde!

Was uns extrem erheitert hat, sind die vielen kreativen Beiträge zum Thema Ausgangs- und Kontaktsperre die wir per WhatsApp erhalten haben. Da waren paar wirkliche grosse Lacher drunter. Wenn wir ein wenig deprimiert sind, schauen wir uns wieder die alten Beiträge an…. und plötzlich geht es uns besser!

Das war wieder mal lustig!

„Fluch der Karibik“

So empfinden die meisten hier gestrandeten Segler die jetzige Situation. Ich weiss, dass heute „das Jammern zum guten Ton“ gehört, die Situation hier ist aber noch etwas komplizierter. Die Inselstaaten hier reagierten schnell und rigoros. Stündlich ändern und verschärfen sich die Massnahmen. Einige Yachten irren von Insel zu Insel, dürfen nicht einlaufen. Nicht einmal, um das Schiff zu proviantieren, Diesel und Wasser zu bunkern. Die so wichtigen Servicebetriebe für Yachten sind wegen des „Lockdowns“ geschlossen. Man kann nur hoffen, dass die auf einmal existentiellen Systeme weiterhin funktionieren (Generator benötigt man um Strom für den Kühlschrank zu produzieren, Entsalzungsanlage um Trinkwasser zu produzieren).

Hier bleiben und warten bis es vorbei ist

Geht nicht. Ab Juni bis 15. November ist hier die „Hurrican-Season“. Spätestens ab dann, gibt es hier keinen sicheren Hafen mehr.

Möglicher Verlauf der „Tropical Storms / Hurricans“

Die vielen hier gestrandeten Segler verfolgen daher eine der drei möglichen Strategien:

1.) Zurück nach Europa segeln

Die Route über den Atlantik

Normalerweise startet man hier irgendwo im Norden der Antillen (z.B. BVI), haltet und proviantiert in Bermuda, wartet auf das richtige Wetterfenster und segelt dann zu den Azoren, proviantiert nochmals, repariert was zu reparieren ist und wartet auf das richtige Wetterfenster um nach Europa zu segeln. Bevor man auf die Reise geht, repariert und wartet man alles was auf dem Schiff wichtig ist und besorgt sich die Ersatzteile. Vorher lässt man die Crew-Verstärkung anreisen.

  • Reparieren / Warten – geht nicht
  • Crew anreisen lassen – geht nicht
  • Ersatzteile liefern lassen – geht mit Schwierigkeiten
  • Bermuda anlaufen – geht nicht
  • Azoren anlaufen – Wasser und Diesel tanken geht. Man muss sofort weiter segeln.
  • Portugisiche / Spanische Häfen anlaufen – geht nicht

Segeln über den Atlantik geht jetzt nur noch mit der Mannschaft die schon auf dem Schiff ist, mit nicht gewartetem Schiff und das Nonstop in 45 Tagen von der Karibik nach England oder Deutschland. Vorher sollte man freiwillig 15 Tage in die Quarantäne, um sicher zu sein, dass man gesund die Reise antritt und nicht Mitten auf dem Meer erkrankt (!). Wasser und Diesel kann man auf den Azoren tanken. Mit der Quarantäne dauert die Reise 60 Tage.

2. Sich aus dem Hurrican-Gebiet entfernen

„Sichere“ Wirbelsturm-Häfen

Das heisst südlicher vom 12. Breitengrad segeln. Hier bieten sich vor allem Grenada und Trinidad und Tobago an (die notabene beide zur Zeit geschlossen sind). Um den Versicherungsschutz zu erlangen muss man aber das Schiff auf einem Trockenplatz „hurrican-sicher“ lagern. Danach schaut man, ob man selber nach Hause kommt (wird schwierig) oder man sucht sich eine Bleibe für die kommenden Monate in der Nähe. Angesichts der Tatsache, dass die Hotelanlage alle geschlossen sind, wird das auch nicht so einfach. Wir finden, dass ist höchstens ein Plan C.

Wir haben nun provisorisch einen Platz in der Marina Cartagena in Kolumbien ab 1. Juni gebucht. Cartagena ist eine sehr hübsche Stadt und liegt noch etwas weiter südlicher, somit auch etwas sicherer als Grenada. Aufgrund der Lage hoffen wir hier das Schiff nicht auf dem Trockenplatz lagern zu müssen. So könnten wir also noch eine Zeitlang auf dem Schiff in der Marina leben und müssten nicht über den Atlantik segeln. Von Antigua, wo wir uns seit gestern befinden“ sind es bis Cartagena 800 Seemeilen. Das trauen wir uns allein auch mit dem nicht gewartetem Schiff in 5 Tagen zu stemmen.

Ein grosses Problem bleibt bestehen: Kolumbien ist zur Zeit gesperrt für Besucher. Wir wissen nicht, ob wir im Juni anreisen dürfen. Dies bleibt ein vorläufig etwas unsicherer Plan B!

3. Das Schiff mit dem Schiff nach Europa verschiffen

Wir wollten immer auf eigenem Kiel Europa erreichen und haben diese Option nich ernsthaft geprüft. Angesichts der Umstände erscheint uns diese Variante heute als die Beste. Im April und Mai werden mehrere Schiffe voll beladen mit Yachten in Richtung Mittelmeer oder England fahren. 15 Tage später ist das Schiff am neuen Ort. Der Dienstleister stellt sicher, dass ein Profi-Skipper das Schiff in einer lokalen Marina vertauen kann. Selber wird man es nämlich nicht schaffen bei der Ankunft vor Ort zu sein. Die Transport-Schiffe starten aus Antigua. Wir haben es gestern, einen Tag vor dem Lockdown, geschafft, nach einer ärztlichen Kontrolle hier einzureisen. Das war eine Zitterpartie….

Nun sind wir dabei am kommenden Montag den Transportvertrag mit Peters&May, führenden Anbieter auf diesem Gebiet, zu unterzeichnen. Wir hoffen, dass wir es auf eines der beiden Schiffe im April oder Mai schaffen, denn das hoffen noch viele andere auch!

So wäre das Schiff in sicherem Hafen auf Mallorca und wir müssten „nur“ noch dafür sorgen, dass wir irgendwann auch nach Hause kommen. Denn das Schiff ist seit einem Jahr unser zu Hause und viele andere Wohngelegenheiten gibt es hier vor Ort auch nicht.

Zu allem Kopfzerbrechen bei den wenigen Handlungsalternativen bleibt aber die wichtigste Sorge zur Zeit auf der Strecke. Wir müssen schauen, dass wir gesund bleiben, weil hier in den Spital zu müssen ist nicht wirklich eine Option.

Fast noch wichtiger ist es uns, dass es unseren Lieben zu Hause weiterhin gut geht, denn wenn was passiert, wir können hier nicht weg. Vor allem dies bereitet uns schlaflose Nächte!

Also, liebe Leute: 1.) Ihr bleibt schön gesund 2.) Ihr drückt uns die Daumen, weil was Anderes könnt ihr zur Zeit auch nicht tun!

Antigua, Guadeloupe, Corona, Covid-19 etc.

Die Einreisebestimmungen für die Karibische Inseln per 19.3.2020

Coronavirus hat Karibik erreicht. Wir befinden uns auf Guadeloupe, im französischen Überseegebiet, mit aktuell (19.3.) 45 Krankheitsfällen. Hier gelten die von Macron verordnete Massnahmen, nämlich totaler Lockdown für mindestens 15 Tage. Liebe Leute es geht uns nicht besser wie Euch! Der einzige Unterschied: Die Quarantäne findet auf dem Schiff vor dem Sandstrand statt. Wir haben alles was es braucht um hier die nächsten 15 Tage gut über die Runden zu kommen. Es ist auch etwas einfacher den Abstand zu den Mitmenschen einzuhalten, wenn auch die Buchten volle Schiffe sind. Segeln wäre eigentlich auch nicht erlaubt.

Auf dem Bild oben sind die aktuellen Einreisevorschriften für Yachten. Praktisch alle karibische Inselstaaten haben Grenzen geschlossen oder verlangen bei der Einreise eine zweiwöchige Quarantäne. Jeder um uns herum ist irgendwie betroffen. Die Pläne für die Hurrikansaison müssen überarbeitet werden. Die Azoren lassen auch keine Yachten mehr anlegen. Somit fällt die geplante ARC Europe Rally voraussichtlich ins Wasser. Spätestens Ende Juni sollte man aber aus dem Hurrican-Gebiet weg sein. Kolumbien und Panama wären fein. Die Grenzen sind hier aber auch schon zu. Elvström will die fertigen Segel in die Karibik liefern. MWST-frei geht das am besten über Martinique oder St.Martin / Sint Maarten. Frage: Kann ich die Segel nach der Ankunft auch abholen? Die Werftbetriebe sind alle zu. Wenn es wieder los geht, wird man voraussichtlich keine Termine bekommen. Fragen über Fragen….

Wir sind froh, dass es unseren Lieben zu Hause noch einigermassen gut geht und freuen uns jeden Morgen über die humoristischen Beiträge zum beliebten Coronavirus. Humor ist wenn man trotzdem lacht….

Martinique und Guadeloupe mit Vesna (Cousine aus Zagreb)

Wir haben meine um paar Jahre jüngere Cousine aus Zagreb, die mit Ihrer Damencrew schon einige Regatten in Kroatien bestritten hat, zu Besuch. Gestartet sind wir mit einer kurzen Rundreise zu der Habitation Clement (siehe letzten Blogbeitrag) und weiter durch den Regenwald nach St. Pierre, der ehemaligen Hauptstadt der Insel, bevor sie zwischen 1902 und 1905 vom Vulkan Mount Pele unter Lava und Asche begraben wurde. Das war, an den Opferzahlen gemessen, verlustreichste (rund 30.000 Opfer) Vulkaneruption des 20 Jahrhunderts. Überlebt hat lediglich ein, in einer Einzelzelle sitzender Häftling, der danach auf freien Fuss gesetzt wurde und fortan sein Lebensunterhalt durch Auftritte im Zirkus bestritten hat, wo er seine Lebensgeschichte dem Publikum erzählte.

Eigentlich wollten wir mit Vesna eine grosse Runde in den nördlichen Antillen drehen. Leider hat uns wieder das Bugstrahlruder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Klappe des Bugstrahlruders lies sich nur teilweise Schliessen. Der Werfttermin lies eine ganze Woche auf sich warten. Wir haben infolgedessen einige schöne Tage vor der Ilet de Gosier und in Bas Du Fort verbracht. Vesna wird nochmals kommen müssen, um den Rest der geplanten Reise mit uns zu segeln.

ANTIGUA Nelson’s Dockyard Marina

Die Strecke von Point a Pitre (Guadeloupe) nach English Harbour ist 80 Seemeilen lang. Eigentlich gut in einem Tag zu machen. Leider hat es am ersten Tag heftig geregnet und unser treue Begleiter E-/NE-Wind blieb aus. Nach einer Nacht vor Anker auf der Nordseite von Guadeloupe (Port Louis) ging es mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von deutlich über 8 Knoten am nächsten Tag nach English Harbour. Die in einem geschütztem Naturhafen gelegene Nelson’s Dockyard Marina ist ein von Unesco zum Weltkulturerbe erklärtes Stück England in der Übersee. Im Nelson’s Museum erfährt man Spannendes über den Lord aber auch über die Lebensweise der Matrosen und ihrer Familien in der damaligen Zeit. Für jeden Englandfan ein MUST!

Die schönen Boote von Falmouth / Antigua

Zwei dieser wunderschönen Schiffe kollidierten kurz vor dem Start des ersten Rennens. Die „SVEA“ fuhr mit ihrem spitzen Bug der Klassenkamaradin „TOPAS“ über das Heck. Beide Boote konnten den Hafen noch aus eigener Kraft erreichen, konnten an der Regatta nicht mehr teilnehmen. Videos der Kollision sind im Internet zu finden. Mit den J-Class Yachten wurden in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts die America’s Cup-Rennen ausgetragen. Die meisten der damals gebauten Yachten waren hier am Start. Eine Augenweide!

Englische Lebensart

Zur englischen Lebensart gehören die Fussballspiele und die üppigen Frühstücke. Wenn MANU über den Stadtrivalen siegt, schmeckt das leckere Antigua-Bier noch besser!

Quarantäne in Guadeloupe

Am Montag 16.03.2020 gingen die Rolladen am Marina Office in Bas Du Fort runter. Die Kunden werden nur noch telefonisch und per Mail bedient (siehe oben). Nichts wie weg hier, einen schönen Strand für die Selbstisolation suchen und hoffen, dass der Spuck bald vorbei ist. Lina, unsere ehemalige Nachbarin aus der Schweiz, wollte eine Woche mit uns die Gegend erkunden. Wir konnten gestern vor Anker ihren Geburtstag feiern. Heute bemühen wir uns einen Flug in die Schweiz zu organisieren. Von der Lufthansa-Flotte sind nur noch 5% der Flieger unterwegs. Der Flug von Barbados nach Frankfurt vom 27.3.2020 ist zum Glück (noch nicht) abgesagt worden!

Grenada

Grenada ist die südlichste der Antilleninseln oder der «Westindies» wie sie hier genannt werden (Die Inseln wurden von Columbus auf seinem westlichen Weg nach Indien entdeckt = es handelt sich um Grosse-, Kleine- Antillen, Bahamas und Turks und Caicosinseln, daher etwas verwirrend „Westindies“).

Der Staat Grenada besteht aus der Inseln Grenada, Carriacou und Petit Martinique. Grenada erlangte Unabhängigkeit in 1974, blieb aber Bestandteil des Commonwealths und somit direkt der britischen Krone unterstellt.  Die Damen und Herren in meinem Alter mögen sich noch an die militärische Intervention der Amerikaner in 1983 erinnern. Ronald Regan hate damals mit 7.000 Soldaten, einen Versuch hier ein zweites kommunistisches Land nach Vorbild Cubas zu errichten, im Keim erstickt. Der Krieg dauerte 4 Tage und hatte insgesamt rund 100 Tote auf beiden Seiten zur Folge. Als die Margarete Thatcher die Frage stellte, wie er sich erlaube in einen Commonwealth Mitgliedstaat einzumarschieren, antwortete er süffisant, «This did’t disturb my breakfast at all».  Die paar Dutzend Tote auf beiden Seiten offenbar auch nicht…

Immerhin war das eine erfolgreiche Intervention der USA. Den Menschen hier geht es heute deutlich besser als auf Cuba.

St. George’s ist der Hauptort der Insel mit einer quirligen Innenstadt, einer schönen Marina in der natürlichen Hafen und einer freundlichen Bevölkerung. Wie auf allen anderen Karibik-Inseln wachsen hier Zuckerrohr (Rhum), Bananen und Kakao-Bohnen. Aufgrund des hier vorkommenden Muskatnusses wird sie auch Spice-Island genannt. Die Schoggi von Grenada ist ausgezeichnet.

Grenada Sailing Week

Als wir da waren, fand gerade die Grenada Sailing Week statt. Dessen Höhepunkt ist die zweitägige Regatta der lokalen Arbeitsboote. Es handelt sich jeweils um «one design»-Boote die ohne Ballast und sonstigen technischen Schnick-Schnack auskommen und äusserst anspruchsvoll zu segeln sind. Wie waren Zeugen von mehreren Kenterungen! Die Stimmung ist ausgelassen fröhlich oder auf Karibisch: Maximum Chill!

Die fröhliche Seglergemeinde

Grenada liegt am südlichen Rand des Hurrican-Gürtels und ist deshalb bei den Seglern, die in der Karibik die Hurrican-Season verbringen, sehr beliebt. Es handelt sich um grosse Segler-Gemeinde, die sich hier über das «Cruisers-Net» organisiert. Das Crusiers-Net findet jeden Morgen um 7.30 Uhr auf VHF Kanal 66 statt. Es handelt sich um einen, in englischer Sprache moderierten, Chat zu folgenden Themen: Wetterprognose, wichtige Mitteilungen, soziale Aktivitäten, technische Fragen an die Kollegen, Werbefenster für das Kleingewerbe, Bilgen-Schätze (zu verkaufen / verschenken) usw. Anschliessend laufen den ganzen Tag auf Kanal 68 die individuellen Absprachen unter den Mitgliedern.

Die berühmteste soziale Aktivität, britischer Prägung, ist der Grenada-Hash. Hash hat nichts mit Hashisch zu tun, hat aber ähnliche Wirkung. Man trifft sich jeden Samstag (es handelt sich jeweils um 50 bis 300 Teilnehmer) jeweils an einem andere Ort und läuft oder rennt anschliessend 5 – 7 Kilometer zusammen, um dann bei einem Rhumshop bis tief in die Nacht zusammen zu feiern. Drei Bier kosten 15 EC$ (CHF 5,-). Dazu gibt es Poulet oder Burger vom Grill. Es handelt sich also um ein Projekt, wie die Initiatoren sagen, für «Drinkers with the running problem». Der Startort wird über Cruisers-Net auf Kanal 66 bekanntgegeben. Manchmal läuft man verkleidet als Frau, diesmal aufgrund des nationalen Feiertags in nationalen Farben Grenadas. Die «Virgins» (Novizen) müssen sich einem Initationsritus unterziehen, welcher nur stark betäubt zu ertragen ist. Es gibt viele «lustige» Youtube-Videos zu diesem Thema.

Ansonsten ist die Segler-Gemeinde, hier eher aufs Wohnen auf dem Wasser als auf das Segeln ausgerichtet. Viele Schiffe verlassen den Ankerplatz in einer der Grenada-Buchten nur selten. Dafür hilft man sich gegenseitig bei technischen Problemen und pflegt auch sonst intensiven Kontakt. Berühmt sind die regelmässigen Jam-Sessions in einer der Strandbaren. Aber auch das Einkaufen gehen ist eine soziale Aktivität. Diese funktioniert hier wie folgt: Auf Cruisers-Net  wir die Abfahrtszeit des Shopping-Busses bekanntgegeben (meistens 9.30). Zur angegebenen Zeit trifft man sich bei der Einfahrt in die Marina, voll bepackt mit leeren Einkaufs- und Kühltaschen. Irgendwann erscheint dann der Fahrer mit dem Minibus und fährt mit 5 bis 10 Personen einkaufen. Die erste Haltestelle ist jeweils die Bank, wo alle zuerst am Bankomat das Geld abheben. Danach geht es der Reihe nach zum Supermarkt, Obst- und Gemüseladen, Cash&Cary und Do-It-Yourself Laden. Überall wartet der Fahrer bis alle wieder im Bus sitzen und fährt dann zu nächster Station. Am Schluss zahlt jeder dem Fahrer 15 EC$ (CHF 5,-) und trägt seine Einkäufe zum Dinghy-Dock (Anlegestelle für Beiboote). Mit dem Dinghy geht es dann wieder zurück aufs Boot und der Kühlschrank ist wieder gefüllt, meistens mit der Ware die man gar nicht auf der Liste hatte. Man kauft nämlich nicht das was man gesucht hat, sondern schlicht das was man bekommt. Vieles was für uns selbstverständlich ist, ist hier überhaupt nicht oder nur schwer erhältlich. Wir vermissen Alltägliches, wie Orangen, frischen Salat, gutes Fleisch, Salami, Käse. Was auf der Insel nicht wächst muss importiert werden und ist deshalb teuer und schwer erhältlich.

Wir werden uns auf Martinique wieder für einen Monat mit Ware eindecken. Die Insel ist französich geprägt und der Carrefour ist auch hier mit einem anständigen Sortiment präsent. Der Weinvorrat den wir aus Europa mitgenommen haben ist zum Glück noch nicht aufgebraucht…

Kick’em Jenny – Ein aktiver Vulkan unter der Meeresoberfläche

Eher zufällig haben wir auf der elektronischen Karte die RED ALERT EXCLUSION ZONE zwischen Grenada und Carriacou entdeckt. Es handelt sich um ein Gebiet welches nicht befahren werden sollte. Der Grund dafür ist ein aktiver Vulkan unter der Wasseroberfläche mit einem eher spassigem Namen: „Kick’em Jenny“. Wir haben das Gebiet natürlich pflichtbewusst aber eher schmunzelnd weitläufig umfahren. Heute lese ich in der neuesten Ausgabe der YACHT Zeitschrift darüber folgendes:

„Hin und wieder wird der Vulkan aktiv und presst riesige Gasblasen durch kleine Risse im Meeresboden – Blasen von der Grösse eines mittleren Bootes, die dich wie einen Stein in den dunklen Abgrund fallen lassen, wenn sie dich an der Oberfläche erwischen. 60 Menschen hat Jenny auf die Art bisher in die Tiefe gerissen. In schlechten Jahren wurden Gesteinsbrocken in den Himmel geschleudert, eine 275 m Fontäne hat man schon gemessen, worauf dann prompt ein ansehnlicher Tsunami gefolgt war“.

Ich sage nur: Wenn nicht war, dann aber sehr gut gelogen!

Carriacou und Sandy Island

Nördlich von Grenada liegt unsere Lieblingsinsel Carriacou. Der Name ist abgeleitet aus Karibischem: «Insel der Korallenriffs». Die Hauptstadt der Insel ist Hillsborough. Die Insel zählt 8.000 Einwohner und mehr als 100 Rhum-Shops sowie 20 ausgezeichnete Tauchspots. Für uns die Motivation endlich den PADI Open Diver Kurs zu absolvieren. Vor der Insel liegt eine kleine Sandbank «Sandy Island» mit wunderschönen Schnorchelspots. Alex und Gerry von der Deefer-Diving Carriacou führen in Hillsborough seit rund 10 Jahren einen 5 Sterne Tauchressort. Alex hat sich kompetent und sehr geduldig eine ganze Woche liebevoll um uns gekümmert. Mittwoch bis Freitag konnten wir bereits mit anderen Gästen 6 Tauchgänge an verschiedenen Tauchspots bis zu einer Tiefe von 20 m absolvieren. Ein unbeschreibliches Erlebnis!

PADI Tauchkurs @ Deefer-Diving Hillsborough

Soeben entdeckt – mein nächstes Fahrzeug:

Martinique

Nur einen kurzen Schlag von Rodney Bay St. Lucia liegt ein Stück Europa in der Karibik. Martinique ist eine französische Provinz in den Antillen, wie auch Guadeloupe, Saint-Barth und Saint-Martin. Die Infrastruktur ist dank EU-Geldern deutlich besser als auf den anderen Inseln. Bezahlt wird in €. In Le Marin im Süden der Insel liegt der einzige Yachthafen mit einer grossen Werft und riesigem Angebot an nautischen Dienstleistern. Im Hafen und in den beiden vorgelagerten Buchten (Le Marin und St. Anne) liegen teilweise bis zu 2.000 Segelschiffe vor Anker. Carrefour bietet hier fast alles was man auch in Europa bekommt. Die Preise sind allerdings etwas höher. Die Insel lebt vom Tourismus sowie Zuckerrohr- und Bananenanbau. Natürlich wird auch Rum hier hergestellt.

Endlich was ordentliches zu essen!

Wir geniessen das europäische Angebot an Lebensmitteln und das etwas gepflegtere Angebot in den Restaurants, wenn auch die Vielfalt und das kulinarische Niveau bei Weitem nicht dem gewohnten europäischem Standard entsprechen. Immerhin besser als an manchem andern Ort hier in der Karibik.

Habitation Clement

Die Destillerie Habitation Clement wurde in 1887 durch Homere Clement gegründet. Die Anlage ist heute offen fürs Publikum und besteht auch einem botanischem Garten mit Skulpturenpark, einem Kunst-Austellungsraum sowie Produktionsanlagen und natürlich einem Degustationsraum. Sehenswert!

Vor Anker liegen…

Caro ist von Martinique für 10 Tage nach Zürich geflogen, um Rösli und Kinder zu besuchen. Ich habe mich wieder um das Schiff gekümmert, paar Kleinigkeiten repariert und in vollen Zügen die schönen Buchten genossen. Nebst den vielen schönen Ankerplätzen, wo man tagelang ungestört vor Anker liegen kann, schätzen wir vor allem das sehr angenehme Klima. Die Temperaturen sind nie höher als 30 Grad, die vorbeiziehenden Wolken spenden den willkommenen Schatten und die konstanten 10 – 20 Knoten Wind aus Ost / Nord-Ost bieten ideale Voraussetzungen, um sich lautlos zwischen den Inseln zu bewegen. Unsere Energiebedarf wird grösstenteils von der Sonne und vom Wind gedeckt. Greta hätte zur Zeit grosse Freude an uns!

Dezember 2019 in der Karibik (St. Lucia, St. Vincent, Grenadines)

Erste Eindrücke

Wenn dich Verkäuferin mit «Honey» anspricht und die Kellnerin mit «Darling», dann bist Du  in der Karibik angekommen. Es handelt sich keineswegs um billige Anmache. Die Menschen sind sehr herzlich. Es geht auch nicht ums Trinkgeld (Servicecharge ist inbegriffen) sondern um eine natürliche Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Diese hilft einem die teilweise langen Wartezeiten besser zu ertragen. Es gilt auch hier, wie überall im Süden, die «Island Time» – man nimmt es nicht so genau mit den Terminen und Wartezeiten.

Es gibt viele Leute die einem was Kleines verkaufen möchten oder eine mühselige Arbeit abnehmen wollen. Die Früchte und das frische Brot werden aufs Boot geliefert. Das Boot wird gewaschen. Die dreckige Wäsche gewaschen und die leere Gasflasche aufgefüllt und zurück aufs Boot gebracht. Das hat alles seinen Preis, aber man kann sich hier echt gut gehen lassen

Segeln in der Karibik

Die Marinas sind sehr gepflegt, die Liegeplätze grosszügig, die Preise sehr moderat (Insbesondere im Vergleich mit Kroatien). Es gibt sehr viele Restaurants, wobei die in den Marinas  bisher die Besten waren. Landschaftlich ist die Gegend sehr reizvoll, grüne Hügel und schöne Buchten mit goldigen Sandstränden. Das Klima ist grossartig: 27 bis 30 Grad tagsüber, 25 Grad nachts, Wasser 25 Grad. Mein Wunsch die langen Hosen für paar Jahre «an den Nagel zu hängen» könnte in Erfüllung gehen. Es regnet fast jeden Tag. Manchmal auch dreimal pro Tag. Spätestens nach 5 Minuten ist das aber auch vorüber.

Der Passatwind weht mit einer unglaublicher Konstanz,  rund um die Uhr mit 10 – 20 Knoten aus Ost / Nordost. Das ergibt bei meisten Strecken vom Süd nach Nord einen am Wind bis Halbwind-Kurs,  mit TWAs zwischen 60 und 90 Grad. Die VIVA läuft hier mit gerefftem Gross und der Fock mit Leichtigkeit die Rumpfgeschwindigkeit von 9 bis 10 Knoten. Wunderbares, schnelles und entspanntes Segeln!

Paradies gefunden? Wie immer im Leben, wo Sonne ist, ist  auch ein Schatten.  Wir vermissen ein bisschen die hübschen Städte des Mittelmeers, wo man am Abend flanieren kann und morgens Cappucino trinken kann, die guten Restaurants und die engen Gassen, die Geschichten erzählen. Die Supermärkte bieten eine anständige Produkte-Auswahl, aber nicht die Produkte-Qualität und -Vielfalt, die wir aus Europa kennen. Viele landwirtschaftliche Produkte müssen importiert werden und sind deshalb verhältnismässig teuer. Der Fisch ist auch hier erhältlich, schmeckt aber nicht so wie im Mittelmeer.

Koloniales Erbe

Das Erbe der Kolonialzeit ist allgegenwärtig. Die meisten Inseln haben mehrfach die Besitzer gewechselt. Die Britten und die Franzosen reichten sich hier die Klinke. Im Falle von St. Lucia 14 Mal! Nach dem der Sklavenhandel verboten wurde, haben die Britten für Ihre Zuckerrohr-Plantagen die Inder angeheuert. Die lokale Bevölkerung ist dem entsprechend dunkel bis schwarz. Es sind wenige Europäer die hier ihren ständigen Wohnsitz haben. Dafür gibt es eine grosse Seglergemeinde aus den USA, Skandinavien, Deutschland, Grossbritannien aber auch der Schweiz, die hier einen oder mehrere Winter verbringen. Es gibt viele grosse Segelanlässe von Grenada im Januar bis Antigua und St. Barth im April. Wir wollen uns diese Highlights nicht entgehen lassen.

Wo sind die ARC-2019 Schiffe?

Was machen die 300 Schiffe die mit ARC den Atlantik dieses Jahr überquert haben? Rund 10 % oder 30 Schiffe werden am 11. Januar zur World ARC starten, um nach 15 Monaten über Pazifik, Südafrika und Brasilien wieder in der Karibik anzukommen. Die restlichen 270 liegen zerstreut in den Buchten des Karibiks. Ansonsten sieht man immer wieder die gleichen Schiffe auf dem AIS, haltet einen kurzen Schwatz über Funk mit ihnen und wünscht sich eine gute Weiterreise. Die Familien mit Kindern halten zusammen. Zufriedene Kinder = glückliche Ferien! Wir haben paar wirklich gute Leute gefunden, mit denen wir gerne unsere Zeit verbringen werden.

Ein- und Ausklarieren, Geld und Sim-Karte wechseln…

Da jede Insel ein kleiner Staat ist, gehört das Ein- und Ausklarieren an die Tagesordnung. Mit den Reisepässen und Schiffspapieren zur Grenzkontrolle, die Zoll- und Einwanderungsbehörde aufsuchen und unzählige Formulare ausfüllen. Manchmal kann man die Formulare im Vorfeld online über «Sailclear» ausfüllen. Manchmal ist aber das System gerade «out of order», dann macht man es zweimal. Auch wenn man die Insel nur für 10 Tage verlässt: Bei erneuter Einreise das ganze Spiel von vorne. Schlussendlich geht es nur darum paar Leute zu beschäftigen und paar EC$ (East Caribbean Dollars) abzuliefern (2,6 EC$ = 1 US$ = 1 CHF). Nicht nur Ein- und Ausklarieren sondern auch der Sim-Card-Wechsel gehört zu den eher lästigen Prozeduren bei jedem Wechsel des «Staatsgebiets». Ironischer Weise geht die «FLOW» Simkarte aus St.Lucia auf St.Vincent nicht mehr. Ähnlich geht es auch den Digicell und Orange-Kunden. 10 GB Daten und 100 Gesprächsminuten (für Handwerkehr, Taxis und Restaurants) kosten moderate CHF 40,-. Leider verfällt immer wieder ein Teil des Guthabens unverbraucht beim Verlassen der Insel. Unsere aktuelle Telefonnummer musst Ihr nicht aufschreiben. Die wechselt ja schon in paar Tagen wieder. Am besten per Whatsup-Call oder Skype anrufen. Wenn wir nicht abnehmen, rufen wir gerne zurück.

Rumpunch, Hummer und Weihnachtsstress

«Rumpunch» – ist eine heimtückische Erfindung, bei der ein grosser Anteil des hochprozentigen Rhums mit Fruchtsaft, Grenadinensirup, Angosturabitter und Zuckersirup vermischt wird. Am Schluss kommt noch etwas Muskatnuss und Zimtpulver dazu. Mit viel Eis serviert merkt man vom Hochprozentigen fast nichts. Nach 5 oder 6 Glas sucht man dann stundenlang sein Schiff in der Marina oder wird am Strand im Sand paniert. Beides schon «beobachtet»….

Der allgegenwärtige Hummer – ist eigentlich gar keiner, sondern eher eine Languste (kleiner und ohne dicke Zangen). Den bekommt man von den Bootsboys aufs Schiff geliefert oder am Strand gegrillt. Wie beim Kochen im heisem Wasser wird das arme Tier lebendig verarbeitet, d.h. halbiert und auf dem Holzkohlengrill gebrutzelt. Schmeckt vorzüglich mit lokalem Bier (Piton, Caraibe oder Hairoun – so heissen die lokalen Biermarken  hier im Süden). Muss aber auch nicht jeden Tag sein. Wein bekommt man auch aber nur  in «einfacher» Qualität und zu moderaten Preisen. Zum Glück liegen da noch paar schöne Tropfen im Weinkeller auf dem Schiff aus Europa.

Weihnachten in den Troppen? Gleich wie in Europa. Einzig die Christbäume sind aus Plastik. Anstelle von Glühwein gibt es Rumpunch. Familie ist zu Besuch, man freut sich riesig auf einander und geht sich zwischendurch mal gegenseitig ordentlich auf die Nerven. Nicht anders wie zu Hause!

Was macht das Schiff? (nur für technisch interessierte unter Euch)

Danke für Nachfrage – sehr gut!  Wir haben endlich das Bugstrahlruder in Ordnung gebracht. Das in Mindelo reparierte Vorsegel hat einen neuen UV-Schutz bekommen. Der Rest funktioniert!

Wir sind sehr glücklich, dass wir einen Strom-Generator haben und das Wasser selber produzieren können. Gerade als wir über Weihnachten und Neujahr zur Sechst auf dem Boot waren und mehrheitlich in den Buchten übernachteten, haben  wir das frische Wasser und Strom in ausreichender Menge sehr geschätzt. Im Mittelmeer haben wir die beiden Geräte fast nie gebraucht!

Projekte für 2020: Wir werden dieses Jahr die Grundbesegelung erneuern. Es liegen uns bereits 5 Angebote für das neue Gross und die neue Fock vor. Es wird wieder ein robustes Dakron- oder allenfalls Hydranet-Segel (Dakron mit Dyneema-Netz) sein. Nächste Woche wird bestellt. Elvström hat die Nase vorn…

Der nächste Upgrade betrifft den Propeller. Der vorhandene Standard Propeller von Volvo ist ein starrer Propeller, welcher sich beim Segeln mit dreht, das Schiff dabei aber um mindestens eine halben Knoten bremst. Wenn man den Rückwärtsgang einlegt wird das Getriebe geschont, (der Propeller dreht sich nicht mehr), bremst aber das Schiff  um einen ganzen Knoten pro Stunde. Bei langen Strecken ein nicht unerheblicher Nachteil! Die Lösung heisst:  Faltpropeller. Dieser faltet sich beim Segeln  zusammen und bremst dadurch das Schiff deutlich weniger. Manche Faltpropeller sind auch effizienter bei der Vorwärtsfahrt als der Starrpropeller (Weniger Umdrehungen für die gleiche Geschwindigkeit, weniger Lärm und weniger Diesel-Verbrauch). Sie haben aber meistens im Rückwärtsgang einen Nachteil (längerer Anhalteweg). Auch hier gilt es abzuwägen zwischen den Vor- und Nachteilen. Der Favorit ist Flexoflod aus Dänemark (und nicht der in der Schweiz sehr beliebte Gori-Propeller!).  

Wie geht es weiter?

Wir haben in den ersten 30 Tagen St. Lucia und St. Vincent mit den Grenadines (Bequia, Moustique, Mayreau, Palm Island, Canouan, Union Island und die Tobago Keys) besucht. St. Lucia ist mit Marigot Bay und Rodney Bay sowie den Pitons im Süden ein echter Highlight gewesen. Das ultimative Karibik-Feeling hatten wir aber auf den Tobago-Keys mit weissen Sandstränden, Schildkröten und riesigem Korallenriff wo man stundenlang schnorcheln kann.

Wir werden uns im Januar in Richtung Norden bewegen. Caro fliegt von Martinique für 10 Tage zu Rösli nach Hause. Ich werde mich um das Schiff kümmern und Martinique auf eigene Faust erkunden. Danach geht es auf Dominica, Guadeloupe und Antigua. Fortsetzung folgt!

Ein Traum geht in Erfüllung: Mindelo (Kapverden) nach Rodney Bay (St. Lucia)

Start Mindelo

Am 21. November 2019 ging es in Mindelo wieder an den Start. Nun steht ein Ozean und 2.100 Seemeilen Wasser zwischen Mindelo und dem Ziel in St. Lucia vor uns. Die Prognose ist gut: 15 bis 25 Knoten (Rücken-) Wind für die gesamte Strecke. Moderater Wellengang im 9 – 12 s Abstand. Squals – lokale Gewitterzellen die einen deutlich stärkeren Wind uns Regen bringen können sind hier immer möglich und werden von allen gefürchtet. Vor allem nachts!

Was macht man so den ganzen langen Tag auf dem Schiff?

Man (n) und Frau  segelt! Es ist eine sportliche Aufgabe bei der auch das Köpfchen gefordert ist. Insbesondere dann wenn es um die Routenplanung, basierend auf neuesten Wetterdaten, geht. Den Kopf braucht man auch wenn etwas nicht mehr funktioniert und ein «Workaround» gesucht werden muss. Das kommt auf dem Segelboot immer wieder vor. Beruhigend ist, dass es immer auch ein Lösung gibt.

Morgens um 9.00 werden Wetterberichte updated. Das geht über Iridium und Predict Wind sehr zügig und zuverlässig von statten. Gleichzeitig kommt auch der Wetterbericht der Rally-Leitung aus England per Mail an. Daten vergleichen, Route planen und Segel richtig setzen.

Danach wird gefrühstückt. Manchmal Müesli, Porridge, manchmal Toast oder auch nur Früchte.

Das Logbuch wird nachgeführt. Um 12.00 Uhr wird hier die Mittagsposition erfasst und in der Atlantik-Karte eingetragen. Kurz danach kommt die Positionsliste der Rennleitung per Mail rein. Die Positionen der Mitbewerber werden in der Karte eingetragen und die eigene Strategie überprüft.  Und schon wieder hat man ein wenig Hunger und freut sich auf ein leichtes Mittagessen (meistens Salat).

Vormittags macht man eine Runde über das Deck. Mindestes 5 tote fliegende Fische liegen hier an der Sonne und warten auf ihre Seebestattung. Angezogen von den Positionslichtern des Schiffes stürmen sie Nachts auf das Boot. Caro hat immer das Glück im richtigen Moment am Ruder zu stehen und von denen getroffen zu werden. Lustige Kreaturen: Kein Fisch und kein Vogel! Wenn uns das Essen ausgeht und wir nichts selber fangen, können wir uns von diesen kleinen, sardinenähnlichen Fischen ernähren.

Wenn man beim Deckrundgang aber auch welche Schrauben oder Splinten findet, dann weiss man, dass sich bald irgendwas lösen wird und dringender Handlungsbedarf besteht. Jeden Tag sollte man auch seine Wanten streicheln. So stellt man eventuell rechtzeitig fest, dass eine von 9 Stahlfäden gerissen ist. Wenn man rechtzeitig reagiert, lässt sich das auch auf hoher See, zumindest provisorisch, beheben. «A stitch in time, saves nine» – so unser “Jerry the Rigger” von ARC!

Natürlich schleppen wir meistens auch eine Angelschnur mit Köder hinter uns. Die Bilanz ist diesmal aber eher mager. Zwei verlorene Fische samt Köder und ein Dorado von ca. 3 Kg in unserer Tiefkühltrue.

Nach dem Mittagessen hat man Zeit zum Lesen oder sich einfach erholen. Da man nachts mindestens eine Wache von drei Stunden übernehmen muss, kommt der Schlaf sonst etwas zu kurz. Um 19.00 Uhr wird Z’Nacht gegessen. Danach gehen zwei ins Bett und einer übernimmt die erste Wache von 21.00 bis 24.00 Uhr. Die Anderen zwei stehen zwischen 0.00 Uhr und 3.00 Uhr und 3.00 Uhr und 6.00 Uhr im Einsatz.

Was hat gut bzw. weniger gut funktioniert?

Verpflegung – GUT – 10 verschiedene Mahlzeiten vor zu kochen und einzufrieren war richtige Entscheidung. Gerade dann wenn der Seegang rüppig wird, ist man froh nicht kochen zu müssen. Darüber hinaus portioniertes und eingefrorenes Fleisch zum a la minute anbraten, Pasta, Polenta, Risotto und Müsli in allen Variationen. Zwei grosse Netze für Obst und Gemüse haben wir aufgehängt und in Las Palmas und Mindelo prahl gefüllt. Ganz wenige Sachen mussten wir weg schmeissen. Der Rest wurde sobald gereift auch verzehrt.

Abfallmanagment – SEHR GUT – Bereits beim proviantieren die Umverpackung wegschmeissen und Produkte vor der Abreise zu verarbeiten hat dazu beigetragen, dass wir bei Ankunft in St. Lucia nur zwei grosse Abfallsäcke hatten: eines mit PET/ALU/GLAS und eines  mit sonstigen Abfällen. Die Umverpackung von Käse oder Fleisch (Tiefkühlbeutel) haben wir in eine grosse Leere Petflasche entsorgt und den Deckel zugeschraubt. Darüber hinaus wurden alle organischen Abfälle direkt bei der Verarbeitung im Meer entsorgt. Durch diese beiden Massnahmen hat unser Abfall auch nach 10 Tagen keinen lästigen Gestank entwickelt.

Energiemanagement – GUT – aber nur dank massiven Einsatz von Generator. Die Tage sind kurz, sodass die Ausbeute von Solarzellen nur mittelmässig war. Der Windgenerator wird beim Segeln vor dem Wind nur schwach angeströmt (Windgeschwindigkeit minus Fahrt = auf den Windgenerator wirkender (scheinbare) Wind). Andererseits hat der dauernde Einsatz des Autopiloten und aller Navigationsgeräte zu einem täglichen Verbrauch von über 300 Ah geführt. Ca. einen Drittel konnten wir mit alternativen Energiequellen selber wieder herstellen. Den Rest hat der Dieselgenerator geleistet. Wir hatten 300 l vom günstigen Diesel (1l = 0.96€) in den beiden Tanks und 8 Kanister à 20 l als Reserve. Gebraucht haben wir nur den Kanisterinhalt. Wir sind mit vollen Tanks in St. Lucia angekommen.

Automatische Steuerung (Autopilot) – SEHR GUT – dies war meine grösste Sorge vor der Abfahrt. Eine Strecke von 3.000 Seemeilen schafft man mit einer kleinen Crew nur dank der Unterstützung des unermüdlichen Autopiloten, welcher fast einen Monat lang rund um die Uhr im Einsatz war. Erst in den letzten Tagen haben wir uns vorgenommen jeweils eine Stunde pro Tag und Crewmitglied von Hand zu steuern und so den Autopiloten zu entlasten. In Lagos wurde vor der Abfahrt das Ruderlager ersetzt, Ruderblatt und der Seilzug an den Steuerrädern kontrolliert. Um ganz sicher zu sein habe ich dann auch noch die komplette Hydraulik der Jeffa-Steuerung als Reserve nach Las Palmas bestellt. Auch wenn wir sie diesmal nicht geraucht haben. Irgendwann werden wir froh sein um diese.

Wasser-Management – SEHR GUT – wobei hier von Management keine Rede sein kann. Wir haben den Hafen Las Palmas und Mindelo jeweils mit 650 l in beiden Wassertanks verlassen. Als das Wasser zu neige ging, wurde der Wassermacher (Entsalzungsanlage) angeschmissen. Der hat dann schön zuverlässig jeweils 60 Liter Wasser pro Stunde in bester Qualität geliefert (und dabei auch etwas Strom verbraucht – siehe Energiemanagement). Wir hatten mehr als 2.000 L Wasser für die Strecke von Mindelo bis St. Lucia zur Verfügung.

Getränke-Management – Sehr GUT – Es gab von allem genug. Gebraucht wurde praktisch nur Trink-Wasser. Hier und da ein Bierchen und über die ganze Strecke 6 Flaschen Wein. Irgendwie ist man vom Langstreckensegeln so absorbiert, dass es kein Alkohol braucht um sich wohl zu fühlen. In der Karibik ist alles ohnehin teurer und nicht so gut erhältlich. Da lohnt es sich mit vollem Weinkeller anzureisen.

Crew –  GUT – Auf der ersten Teilstrecke waren Luca und Matteo mit uns an Bord. Wir hatten in dieser Zeit 4 schwierige Tage mit Windstärke 8, einer See die keinen geraden Schritt an Bord erlaubte und am dritten Tag einen epischen Kampf mit einem Zerrissenen Vorsegel zu bewältigen.  Wir mussten alle über unsere Grenzen hinaus wachsen und haben dies auch getan. Wir werden unseren Enkelkindern was zu erzählen haben! Auf der zweiten Teilstrecke von Mindelo nach St. Lucia hat uns Heinz begleitet. Er ist ein sympatischer und zugänglicher Berner, in jungem Alter von 60 Jahren. Er hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert, uns nachts jeweils  drei – vier Stunden Schlaf erlaubt und ist uns auch tagsüber immer zu Hand gegangen. Die Küche war nicht sein Revier. Das wussten wir schon vor dem Start. Aber auch hier hat er mit der Zeit immer bessere Figur gemacht. Dafür riss er sich um schwierige Aufgabe, wie Mastklettern auf offener See. Vielen Dank, Heinz! Du darfst wieder mal mit uns segeln!

Caroline ist nach 11.000 gemeinsam gesegelten Seemeilen der beste und zuverlässigste Partner den man sich auf dem Schiff wünschen kann. Sie hat mich tatkräftig unterstützt und hat mit mir zusammen eine Menge dazu gelernt.  Wir verstehen uns inzwischen auch auf dem Schiff  hervorragend!

Kommunikation / Iridium GO! – SEHR GUT – Spätestens 30 Meilen von der Küste entfernt hört die Abdeckung durch die Mobilfunknetze auf. Danach ist man auf den VHF Radiosender angewiesen, welcher wiederum eine Reichweite von 30 Meilen hat und vor allem der Alarmierung und der Kommunikation mit den anderen Schiffen dient. Die längeren Strecken deck man entweder mit der Kurzwelle / SSB Radio und Pactor-Modem (für das Versenden und Empfangen von Mails) (Reichweite ca 400 SM) oder mit einer Satelliten-Lösung ab. Wir haben und für ein Iridium Go!-Modem entschieden und diesen am Navigationstisch fest verbaut. Wie auch zu Hause verbindet man sich hier mit seinem Smartphone übers WLAN mit dem Iridium Modem. Mit einer speziellen App, welche die Daten komprimiert, kann man direkt vom Smartphone SMS und Mails versenden und empfangen, Telefonanrufe tätigen, Gribfiles und Wetterdaten empfangen und in den Routingapps weiterverarbeiten. Die Lösung kostet nicht viel (rund CHF 1.000,-) und hat gerade mit unserem Predict Wind Wetterdienst immer tadellos funktioniert. Eine Alarmierung ist per Knopfdruck auch über das Iridium Modem möglich. Kann ich empfehlen!

Rally Organisation – GUT – die englische Organisation «World Cruising Club» machte ihren Job sehr souverän und routiniert. Sie haben uns mit den Unterlagen versorgt und in den Briefings wichtige Hinweise mit auf dem Weg gegeben, das Schiff vor dem Start einem Sicherheitscheck unterzogen, in vielen Aperos und Parties die Segler-Familie näher zusammen gebracht und uns täglich mit den Wetterberichten und Positionslisten versorgt. Den Rest durften wir selber machen. Mehr darf man ja auch nicht erwarten. Jeder musste sein Schiff selber auf die andere Seite des Atlantiks bringen. Das ist auch gut so.

Pannen und Probleme

Die wichtigste Frage in der Vorbereitungsphase war: was passiert, wenn dieses oder jenes passiert? Hat man für jede Eventualität einen Ersatzteil oder eine alternative Lösung? Zurückblickend kann man sagen, für jedes Problem gibt es eine Lösung. Kühlen Kopf bewahren, einmal drüber schlafen und dann entscheiden! Andererseits muss ich auch zugeben: Keiner der Ersatzteile die ich mitgenommen habe, kam auch zum Einsatz. Dafür sind andere Sachen kaputt gegangen, die wir nicht so im Fokus hatten. Hier der Reihe nach:

  • Auf der ersten Teilstrecke haben wir das Vorsegel verrissen und notdürftig in einer Nachtübung in Mindelo repariert. Glücklicherweise, wie sich das später herausstellte (siehe weiter unten)
  • Direkt nach dem Start zur zweiten Teilstrecke drei schlechte Nachrichten
    • Die vordere Winch an der Backbordseite streikte vorübergehend, hat sich dann aber wieder «gefangen» und für den Rest der Strecke ordentlich funktioniert (Ersatzteile hätten wir dabei)
    • Die Wasserpumpe (Oh, je – zwei Wochen ohne fliessendes Wasser!!!) hat anfänglich komische Geräusche von sich gegeben. Auch hier hätten wir die baugleiche Wasserpumpe als Ersatz an Bord gehabt. Zum Glück blieb uns aber auch diese Übung erspart
    • Stunde nach dem Start fiel die Schraube von den Lazy-Jacks (es handelt sich um die Leinen welche den Segelsack am Baum halten und den Reffvorgang unterstützen) aus der oberen Salling heraus. Glücklicherweise waren wir noch in der Nähe der Insel San Antao und konnten hier in einer windgeschützten Bucht in den Mast klettern und die Schraube wieder anbringen. Am nächsten morgen kam dann dieselbe Leine nochmals runter. Sie schamfielte offensichtlich unbemerkt an den Wanten bis sie ganz durch war. Der zweite Versuch auf dem Mast das Problem zu lösen scheiterte. Zum Glück kam der entscheidende Hinweis von unserem Rigger-Freund aus Palma de Mallorca, Ignacio Triay, die Lazy Jack-Leine mit Hilfe der Dirk (die Leine welche den hinteren Teil vom Grossbaum hält) hoch zu ziehen. So blieb uns die dritte Kletterübung am Mast in der rauhen See erspart und die Lösung hielt.
  • Auf dem halben Weg mischte sich zum leisen Surren des durch das Fahrwasser sich drehenden Propellers noch ein knatterndes Geräusch dazu. Ein Getriebeschaden? Hat sich was am Propeller verfangen und schlägt jetzt gegen den Rumpf? Durch das Einlegen des Rückwärtsganges konnte das lästige und beunruhigende Geräusch beseitig werden. Am nächsten Tag mussten wir aber beidrehen und mitten im Atlantik tauchen gehen. Leider bewegte sich das beigedrehte Schiff mit ein bis zwei Knoten weiter, sodass wir nur angeleint ins Wasser durften. Gute Nachricht: der Propeller war frei und nicht beschädigt. Die Ursache muss vom Mechaniker in St.Lucia gesucht werden.
  • Einen Tag später, beim Bergen des Grosssegels lösste sich die Schraube welche den Grossbaum und die Manschette am Mast zusammenhält und fiel heraus. Wir konnten alle Teile am Deck finden und zusammen tragen. Da sich aber die zwei Teile so kräftig ineinander verkeilt haben, konnten wir die Schraube nicht wieder einsetzen. Ergebnis – Verzicht auf Grosssegel für die restliche Strecke von immerhin rund 800 Seemeilen!
  • Für die letzten sieben Tage hatten wir folgende Segelgarderobe zur Verfügung:
    • Das notdürftig reparierte Vorsegel (kleine Selbstwende-Fock) von 55 m2 
    • Code Zero 140 m2 – Eigentlich für am Wind-Kurse gebautes Segel, welches zur Not auch vor dem Wind (hatten wir die ganze Strecke = Passatwinde), bis zu einem Winkel von 145 Grad eingesetzt werden kann. Das hätte aber bedeutet, dass wir vor dem Wind kreuzen müssen, wir etwas schneller wären aber dafür wesentlich mehr Strecke segeln müssten. Ausprobiert und als Plan B zurückgestellt!
    • Eine Kombination der beiden Segel: Ausgebaumte Fock im LUV und Code Zero im Lee hat leider auch nicht funktioniert, weil die Einfallswinkel nicht passten. Lösung gestrichen!
    • Parasailor – Unser 185m2 Spinnaker, auch genannt Monster, ist ein Leichtwindspielzeug das unter 20 Knoten sehr gut funktioniert. Leider hatten wir meisten Wind über 20 Knoten.
    • Wir verraten es euch: Die kleine Fock hat über den grössten Teil der Strecke, ohne zu murren, das schwere Schiff mit 5 bis 6 Knoten in Richtung Ziel getragen. Dank des in Mallorca angeschafften Spinakerbaums konnte sie im LUV ausgebaumt werden und hat so einen direkten Kurs aufs Ziel ermöglicht. Alle andere Lösungen hätten Kreuzen vor dem Wind und deutlich längere Wege bedeutet. Eine Notlösung die in die Hauptrolle geschlüpft ist! Mit einem funktionierendem Grosssegel hätten wir den gleichen direkten Kurs fahren können (Fock ausgebaumt im LUV) bei einer um mindestens 20 Seemeilen besseren LUV-Geschwindigkeit. Wir wären mindestens einen Tag früher im Ziel.
    • FAZIT: Bei Kursen platt vor dem Wind (160 – 180 Grad TWA hat sich die einfachste Lösung mit dem Gross im Lee  (ev. gerefft) und im Luv ausgebaumten Vorsegel am besten bewährt. Relativ langweilig aber schnell und  vor allem einfach zu handhaben. Am schnellsten im Ziel (relativ im Bezug auf die Schiffsgrösse) waren die mit dem «Bluewaterrunner» von Elvström ausgestatteten Schiffe. Da handelt sich um ein doppeltes um eine Torsionsleine am Bugsprit gewickeltes Segel, welches aus dem Cockpit gerefft werden kann und mit zwei Spinnakerbäumen gefahren wird. Dieses Segel deckt den beim Passatwindsegeln am meisten vorkommender Bereich zwischen 150 und 180 Grad TWA am besten ab und ist von kleinen Crews am einfachsten zu händeln.

Zwischenfälle

Wir haben in den letzten Paar Tagen von der Rally-Leitung die Positionen zweier Mini-Transat-Racing-Boote bekommen die abgemastet und von der Crew aufgegeben wurden. Sie trieben nun etwas nördlicher von unserer Route und gefährdeten andere Verkehrsteilnehmer. Auch sowas kann passieren. Vor allem dann wenn man im Rennfieber das Schiff an die Grenzen pusht!

Von der ARC Flotte mussten paar zurückkehren. Die restlichen Schiffe haben alle ihr Ziel in St. Lucia oder St. Vincent erreicht. Leider starb ein Schiffsbesitzer einige Tage nach dem Start auf seinem Schiff eines natürlichen Todes. Wir wurden von der Rally-Leitung informiert, kennen aber weiter Details nicht. Das muss für die, dem Verstorbenen nahestehende Crew, ein Alptraum gewesen. Sie haben es geschafft ohne externe Hilfe bis St.Lucia zu segeln. Die administrative Abwicklung läuft in so einem Fall über MRCC in Martinique ab. Die Leiche wurde im Dinghy aufbewahrt. Den Leichensack hat ein vorbei fahrender Frachter beigesteuert.

FAZIT

Wir haben in 25 Segeltagen die Strecke von Lagos (Algarve) über Las Palmas de Gran Canaria und Mindelo (Kapverden) – Insgesamt 4.000 Seemeilen gesegelt und das herrlichste Passatwindsegeln auskosten dürfen. Mit konstantem Rücken-Wind von 15 bis 25 KN (drei Tage bis 37 Knoten) kann man ordentlich Strecke machen und hat genug Zeit, um sich des Ozeans und des Himmels satt zu sehen, seinen Gedanken nachzulaufen und zu relaxen. Die ersten langen Passagen waren für uns eher Furcht einflössend. Heute lieben wir die Weite und erleben sie eher befreiend. Das Gefühl das sich dabei einstellt hat am besten Winfried Erdmann, deutscher Mehrfach-Weltumsegler beschrieben: OZEANISCH!

Einige Rallyteilnehmer machen die Strecke zum 7, 8 Mal. Wir könnten es uns auch wieder vorstellen den Atlantik auf eigenem Kiel zu überqueren. Zunächst bleiben wir aber hier und klappern die Karibik vom Süden nach Norden und wieder zurück ab. Freuen uns auf Luca und Matteo mit Tabea und Martin zu Weihnachten / Neujahr.

Der Handicap-Bereinigte 14 Platz in der schnellsten Cruising-Kategorie ist in Anbetracht der technischen Schwierigkeiten zufriedenstellend. Mit einem funktionierendem Gross wäre ein Platz im ersten Drittel in Reichweite gewesen!

Jetzt geht es los!

Las Palmas de Gran Canaria

Die letzten 10 Tage in Las Palmas auf Gran Canaria haben wir in Gesellschaft von 90 Gleichgesinnten verbracht, die alle dem Start des Rallies entgegen fieberten. Atlantic Rally for Cruisers findet seit vielen Jahren statt. Die Teilnehmerzahl liegt inzwischen bei über 300 Booten. Rund 90 fahren die Route über Kapverden. Die anderen 200 starten zwei Wochen später und segeln direkt nach St. Lucia.

Start

Am Sonntag, 10.11. um 13.00 Uhr ging es dann an den Start: Las Palmas nach Mindelo. Die erste Teilstrecke ist netto 870 Seemeilen lang. Mit kreuzen vor dem Wind kommt man aber locker auf rund 1.000 Seemeilen. Die erste von vier Zeitzonen ist dann geschafft. Die Katamarane durften eine viertel Stunde von den Einrumpfbooten starten. Sie fahren ohnehin ein eigenes Rennen. Bei Winden aus achterlicher Richtung sind sie nicht zu schlagen. Die Aufregung vor dem Start war gross. Die meisten Teilnehmer verwirklichen ihren Traum hier zum ersten Mal. Einige sind aber schon 6, 7 Mal über den Atlantik. Die Windprognose war 20 – 30 Knoten Wind aus N/NE, in Böen auch bis 40 Knoten. Entspricht der Windstärke 8 = Stürmischer Wind. Unter normalen Umständen ginge keiner von uns da raus. Diesmal mussten wir aber.

1000 Seemeilen nach Mindelo Kapverden

Eigentlich ging es besser als erwartet. Wir wollten dem Rummel am Start aus dem Weg gehen und sind sehr defensiv gestartet. Danach ging es mit zweifach gerefften Gross und ausgebaumter Fock zügig voran. Nach zwei Tagen lagen wir knapp hinter den Katamaranen, unter den führenden Monohulls…. bis wir dann mal bei 37 Knoten Wind die Fock einrollen wollten. Der Topping Lift des Spi-Baums hat sich gelöst und den Aufrollvorgang blockiert. Bis wir reagieren konnten hat sich das ausgefierte Segel um den am Bugsprit befestigten Spifall gewickelt, sodass kein Aufrollen mehr möglich war. Nachdem wir das Gross geborgen haben, versuchten wir durch Kreisen unter Motor die Fock um den Vorstag zu wickeln. Die 37 Knoten Wind waren dann doch zuviel, sodass die Fock in zwei Teile riss. Um das wild um sich schlagende Segel am Vorstag einzubinden haben wir rund drei Stunden lang auf dem Vordeck schwerst Arbeit verrichtet. Kurz vor der Eindämmerung haben wir es dann doch geschafft das Segel soweit zu klarieren, dass wir weiter segeln konnten. Die restliche Stecke haben wir nur mit dem Gross bestreiten können. Das hat uns einige Plätze im Ranking gekostet.

Den Wind hatten wir gut in Griff. Der Wellengang war aber über die ersten vier Tage zermürbend. Wir konnten uns nur noch auf allen Vier auf dem Schiff bewegen. Kochen war nicht möglich. Selbst das Aufwärmen in der Mikrowelle ging nicht. Nicht nur das Schiff, sondern der ganze Inhalt der Schränke bewegte sich und liess uns die ersten vier Tage nur stundenweise schlafen. Die letzten zwei Tage hatten wir nur noch 15 bis 25 Knoten Wind und einen moderaten Wellengang. So haben wir uns das Passatsegeln vorgestellt!

Mindelo und Kapverden

Nach etwas weniger als sechs Tagen sind wir, mit drei weiteren Schweizer Schiffen, in Mindelo angekommen. Anlegen in der Marina und das Schiff auf Vordermann bringen. Es hat uns ja die Tage so gut gedient. Luca und Matteo haben noch zwei Tage zur Erholung zu Gut und nutzen diese für eine Taxifahrt über die Insel. Zeljko organisiert die Reparaturen und bereitet die Weiterreise vor. Caro und Heinz, unser neues Crewmitglied, frischen unsere Vorräte auf.

Heute um 16.00 Uhr ist das Skippers-Briefing angesagt. Morgen Mittag, 21. November 2019 (Ortszeit = – 2 Stunden zu MEZ) stehen wir am Start unseres grössten Abenteures bisher: Mindelo nach St. Lucia. Cross your fingers!

Algarve nach Lanzarote

Am Freitag. 18.Oktober 2019 haben wir das Schiff wieder eingewässert. Die Pendenzenliste ist wesentlich kürzer, der Saldo auf dem Bankkonto tiefer. Nun heisst es in der Marina Lagos den Vorrat an Lebensmitteln auffüllen, das Essen für die kommenden Tage vorkochen (Thermomix lässt grüssen) und den richtigen Zeitfenster für die Abreise aussuchen. Das geht mit dem Predict-Wind-Abo und dem Kartenplotter heute ganz einfach:

  • Kartenplotter mit WLAN verbinden
  • Start und Ziel eingeben
  • Limiten bezüglich Windstärke und Wellenhöhe in den Einstellungen definieren

und schon hat man 4 verschiedene (basierend auf 4 Wettermodellen) Routenvorschläge auf dem Plotter. Route auswählen und los geht es!

Die drei Wochen auf dem Trockenen haben den Seebären nicht gut getan. Wir leiden zum ersten Mal unter Seekrankheit. Der erste Tag war ziemlich ungemütlich, am zweiten ging es schon wieder einigermassen. Caro hilft sich mit den „Navycaps“ (Apotheke in Horgen) . Ich nehme C-Vitamin hochdosiert, alle paar Stunden eine bis zwei Tabletten. C-Vitamin hilft Histamin abzubauen und lindert die Symptome. Schlafen oder zumindest mit geschlossenen Augen im Cockpit liegen hilft auch. Ab dritten Tag können wir die Überfahrt in vollen Zügen geniessen.

Wir sind sehr schnell unterwegs. Der frische Unterwasser-Anstrich macht das Schiff deutlich schneller. 9 Knoten Fahrt bei 15 Knoten wind stellen kein Problem dar. Mit etwas Unterstützung von der Welle logen wir locker 12 Knoten, kurz vor dem „Sonnenschuss“ auch 14 Knoten! Ja, auch das musste mal nach 7.000 Seemeilen passieren. Der Wind hat für kurze drei Minuten von 20 auf 30 Knoten aufgefrischt. Das volle Tuch war dann doch etwas zuviel für das Ruder – und schwupps umgehend geht es in die umgekehrte Richtung!

Wir stossen mit dem Schiff in diesen vier Tagen an neue Grenzen. Spüren aber auch die eigenen Grenzen besser. Das Schlafen fehlt mir bei bewegter See aufgrund der Geräuschkulisse etwas schwer. Am besten geht es im Cockpit, wo nur das Meer rauscht. Drinnen bewegt sich der Inhalte in den Schränken mit jeder Schiffsbewegung. Hier werden wir bei der nächsten Pause mit Antirutsch-Matten und Polstermaterial nachbessern müssen. Caro hat das Schlafen besser im Griff.

Wir haben ansonsten keine feste Wacheinteilung. Der jeweils Fittere hält die Wache. Der Andere erholt sich. Nach drei Stunden gibt es wieder Wechsel.

Nach 3.5 Tagen erreichen wir am Mittwoch spät Abends la Graziosa im Norden von Lanzarote. Unser schriftliche Antrag (Naturschutzgebiet) auf eine Ankererlaubnis auf La Graciosa wurde nicht beantwortet. Wir müssen leider weiter. Nur mit zweifach gerefften Grosssegel erreichen wir die Marina Rubicon im Süden von Lanzarote kurz vor 9.00 Uhr und fahren direkt in die gepflegte Marina. 607 Meilen in weniger als 4 Tagen. Wir sind stolz auf die VIVA und die Crew. Ich gönne mir einen ersten Mittagsschlaf von 5 Stunden! Davor aber zuerst einen Glas Wein mit unseren Segelkollegen Claude und Theres aus Meiringen von der „Swiss Lady“. Sie müssen leider schon weiter nach Las Palmas.

Algarve – Bum dia!

Endlich was ganz Neues! Hier waren wir beide noch nie! Neu ist nicht nur die Gegend. Auch die Verhältnisse sind neu: Wir haben zum ersten Mal mit einem Tidenhub von mehr als zwei Meter zu tun. Da alle Häfen an der Algarve in einer Flussmündung liegen, ist mit einer beträchtlichen Gezeiten-Strömung zu rechnen. Wir müssen also neu die Ankunfts- und Abfahrtszeiten planen und die Ankerplätze müssen bei jedem Wasserstand funktionieren. Dafür werden wir mit wunderschönen Stränden und reizvollen Ankerplätzen in der Lagune hinter der Sandbank entschädigt.

Faro, Olhao, Lagos

Lagos war einmal vor langer Zeit die Hauptstadt Portugals. Heute ist es eine lebhafte Stadt, mit einer schönen Marina und einer grossen Werft. In der Werft Sopromar haben wir in 16 Tagen alle noch übrig gebliebenen Pendenzen am Schiff erledigt. Gelebt haben wir auf dem Schiff im Trockendock, in der luftigen Höhe von 5 Metern. Zum WC / Bad ging es die steilen Leitern hinunter. „Man/Frau über Bord“ wäre hier also genauso gefährlich wie auf dem offenen Meer.

In Lagos und Umgebung leben viele englisch- und deutschsprehende Rentner, die von günstigem (Steuer-) Klima und tiefen Lebenshaltungskosten profitieren. Auch unsere Schweizer Freunde Regula und Thomas von der Okume verbringen den zweiten Winter hier und scheinen sich hier wohl zu fühlen. Wir hatten zwei gemütliche Abende zusammen.

Der heutige Hauptort von Algarve ist Faro. Da ist auch der internationale Flughafen. Sowohl Faro wie auch daneben liegende Olhao liegen in einer Lagune und sind mit dem Schiff nur schwer zu erreichen. Vor Faro liegt aber eine Sandbank mit der Insel Culatra, wo wir paar schöne Tage vor Anker verbracht haben.

Aus der geplanten einer Woche sind es nun drei Wochen an der Algarve geworden. Jeder Tag war aber voller Genuss. Wir haben Portugal und die lieben Menschen hier sehr genossen. Mit Sopromar haben wir eine kompetente Werft gefunden die alle unseren Wünsche erfüllt hat. Aufgrund der Verspätung werden wir uns Madeira leider für die Rückreise aufsparen müssen. Nun geht es direkt nach Lanzarote!

Andalucia – Ole!

Ja lange ist es her. Aber schön war es und deshalb hier ein verspäteter Eintrag in unserem Reisebericht.

Von Gibraltar nach Cadiz

Wir haben Gibraltar bei schönstem Wetter und leichtem Wind aus Südost verlassen. Wäre der Wind aus West gekommen, wäre es ganz schwierig gegen den Wind und die vorherrschende Strömung, aus dem Mittelmeer raus zu kommen. Da Atlantik das langsam verdunstende Mittelmeer mit frischem Wasser versorgt, hat man die Strömung beim Verlassen des Mittelmeers immer gegen sich.

Der Küste entlang ging es in Richtung Tarifa. Ein Ort welcher von der Gibraltardüse reichlich mit Wind versorgt wird und die Surfers-Herzen höher schlagen lässt. Das war ich auch einmal – ein Surfer! Und ich würde es gerne nochmals probieren. Nur heute segeln sie nicht mehr sonder mehrheitlich „paragliden“ (mit dem Gleitschirm auf einem „Bord“) oder wenn sie segeln dan wird „gefoilt“ (sich schwebend über dem Wasser bewegen). Ich wäre schon glücklich, wenn ich auf dem Wasser gleiten könnte, wie damals auf dem Gardasee!

Hier um die Ecke, in Zahara de los Atunes, wohnt unser Freund Liebrecht von Beyme. Leider schaffen wir es an diesem Tag nicht so weit. Wir haben paar Meilen früher das Anker werfen müssen. Ensenada de Bolonia: Ein bildschöner Sandstrand für uns ganz alleine und gleich daneben ein römisches Amphitheater.

Weiter geht es an Zahara de los Atunes und Barbate vorbei nach Cadiz. Wir haben uns für den kommenden Sonntag mit Lieb in Cadiz verabredet. Für die beiden Tage wo wir alleine in Cadiz unterwegs sei werden, versorgt er uns mit den besten Tipps: „Casa Manteca“, Tore Tavira und der Mercado.

Cadiz

Unterwegs mit Lieb

Vor genau genau 500 Jahre (+ zwei Tage) ist unweit von Cadiz, in Sanlucar de Barrameda, Ferdinand Magellan, ein Portugiese im Dienste der spanischen Krone, auf die erste Weltumsegelung aufgebrochen. Von den 260 Personen starken Mannschaft, die auf drei Schiffen unterwegs waren, sind nur 18, unter der Leitung eines Spaniers, Juan Sebastian Elcano, nach Spanien zurückgekehrt. Die erste Weltumsegelung war somit vollendet! Magellan selber ist unterwegs, auf der Insel Mactan (Philippinen), im Kampf mit den Eingeborenen ums Leben gekommen.

Somit war die erste Station unseres Ausflugs mit Lieb gesetzt. In Sanlucar de Barrameda sind wir auf den Spuren Magellans durch die engen Gassen gewandert.

Die weissen Dörfer von Andalusien

Nach einem feinen Mittagessen ging es dann weiter nach Medina-Sidonia und Vejer de la Frontera. Zwei gut erhaltene Städte unweit der Atlantik-Küste, die trotz vielen Touristen noch sehr ursprünglich wirken. Vielen Dank, Lieb! Wir haben gelernt, dass es neben Sevilla und Granada noch viele spannende Orte in Andalusien gibt!

Danke Lieb!

Auf der Flucht von „Gota fria“

Gota Fria („kalter Tropfen“)

Die Gota Fria hat sich bereits auf Ibiza angekündigt. Wir sind von hier aus gerade rechtzeitig mit den ersten Regentropfen in Richtung Festland weg gesegelt. Danach gab es für rund zwei Wochen täglich Regenschauer und Gewitter mit bis zu 40 KN Wind. Der „kalte Tropfen“ ist ein, für den Monat September häufiges Wetter-Phänomen in Spanien, bei dem die ersten atlantischen Tiefs mit feuchtkalter Luft auf das Warme-Mittelmeer treffen. Die Folgen waren diesmal verheerend: 7 Tote (meistens Autoinsassen die sich nicht in Sicherheit bringen konnten), Überschwemmungen und Erdrutsche. Am meisten betroffen waren die Provinzen Murcia, Alicante und Valencia mit Mallorca. An manchen Orten fielen innerhalb von 15 Stunden 600 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch Almeria wurde am Schluss in Mitleidenschaft gezogen. Nur Stunden nach dem wir in Richtung Malaga gesegelt sind.

Cartagena und Almeria

In einem ersten Nachtschlag haben wir Cartagena erreicht, wo wir die beiden darauffolgenden Nächte verbracht haben. Eine saubere Marina und eine nicht allzu aufregende Stadt. Danach ging es in einem weiteren Nachtschlag nach Almeria, wo wir fast eine ganze Woche in der Marina Aguadulce verbracht haben. Hier haben sich unsere Wege endlich mit der „Swiss Lady“ gekreuzt. Claude und Theres aus Meiringen sind im April aus der Südtürkei in Richtung Gibraltar aufgebrochen, mit dem selben Ziel wie wir: Teilnahme am ARC+ im November ab Gran Canaria. Den ersten Kontakt hatten wir per Mail im April. Nun haben wir uns südlich von Almeria getroffen und einen gemütlichen Abend in Aguadulce zusammen verbracht.

Unsere elektrischen Trottis

Unsere beiden Trottis haben uns in den oft weitläufigen Städten und Marinas einen unverzichtbaren Dienst erwiesen. Wir fahren damit zum Shipchandler, in den Supermarkt aber auch in die Restaurants. Irgendwo findet man immer einen Platz um die Dinger zu versorgen. Auch wenn wir mal einen Wagen mieten, liegen die kleinen Flitzer im Kofferraum und vergrössern bei Ausflügen unseen Erkundungs-Radius beträchtlich.

Cartagena und Almeria

Da wachsen unsere Migros-Coop-Aldi-Lidl-Tomaten, gut geschützt vor der Mittelmeersonne!

Wo unsere Tomaten wachsen

Von Almeria bis Malaga gibt es nicht sehr viel zu sehen. Gewächshäuser soweit das Auge reicht. Kilometerweit erstrecken sich, die mit einer Stoffblache bedeckten Plantagen, auf kargem Boden und fast ohne Wasser in denen die Bootsflüchtlinge ein sehr bescheidenes Einkommen verdienen. Ich habe immer die spanischen Tomaten den holländischen vorgezogen, in der Meinung, dass diese natürlich gedeihen. Das war ein Irrtum…

Granada

Zwei Autostunden von Almeria entfernt liegt Granada mit der Alhambra. Diese Gelegenheit wollten wir nutzen, um wieder einmal nach 4 Monaten Abstinenz ein Auto zu lenken. Nachdem man sich auf die 7KN / Std (Boot) und 22 KM / Std. Trotti gewöhnt hat, kommen einem die, meistens limitierten 100 Km / Std., extrem schnell vor. Nach der Stadtbesichtigung haben wir am Nachmittag eine dreistündige Führung durch die Alhambra genossen. Eine von den Arabern wunderschön angelegte Anlage mit einer Festung und einer Somerresidenz und wunderschönen Gärten, die mit dem Wasser aus Sierra Nevada in einem nach römischen Vorbild gebauten Bewässerungssystem versorgt werden.

Malaga / Marbella / Estepona / Ronda

Mein ehemaliger belgischer CFO Kollege besitzt ein Haus in Nerja, nahe Malaga. Wir haben versprochen anzuhalten wenn wir mal in der Gegend sind. Das haben wir auch getan und Valere kam prompt angeflogen aus Bruxeles. Diane war bereits da. Zusammen haben wir einen Ausflug nach Ronda unternommen:

Nach dem obligatorischem Besuch in Puerto Banus, dem Marbella Yacht-Hafen mit der grössten Ferrari Dichte per Capita, hatten wir noch einen schönen Abend in Estepona.

Estepona ist ein einfacher Hafen mit einem tollen Restaurant-Angebot direkt im Hafen oder in den Chiringuitos (Strandbars) am nahe gelegenem Strand. Der Hit sind die Sardinen-Spiesse oder ganze Fische aufgespiesst und direkt am Grillfeuer gebraten (ohne Grillrost).

Gibraltar

Auf den letzten 30 SM des Mittelmeers nach Gibraltar durften wir unseren 188 m2 Monsterspi nochmals testen. Alles ging gut, wenn auch wir nach wie vor grossen Respekt vor dem grossen Tuch haben. Viel mehr „handy“ ist unser 140m2 Code Zero, welches wir auf den Scheinbar-Wind-Kursen (AWA) 50 – 90 Grad sehr gerne einsetzen. Da sind bei 12 KN Wind Bootsgeschwindigkeiten von 9 KN und mehr erreichbar.

Gibraltar – der Abschied vom Mediterran!

Grenzt Spanien and Grossbritannien? Man ist geneigt NEIN zu sagen. Wenn da nicht dieser 7 Km2 grosser Felsen wäre, bewohnt von 35.000 Einwohner und 12 Affen, an dieser strategisch wichtigen Stelle zwischen Europa und Afrika! Seit dem spanischen Erbfolgekrieg in 1704 unter der Verwaltung des Vereinigten Königreichs und somit seit über 300 Jahren ein Stachel im Fleich der stolzen Spanier. Wir haben in der Marina Alcaidesa einen schönen Platz gefunden, um so auch die letzten Tage im Mittelmeer auf spanischem Boden zu verbringen. Die offiziellen ARC -Flaggen werden immer häufiger, je näher wir unserem Start auf den Kanarischen Inseln kommen.

Caro fuhr mit dem Trotti über den offiziellen Grenzübergang nach „Grossbritannien“. Dieser befindet sich auf der Landebahn des Gibraltar-Flughafens. Ich habe von Gibraltar lediglich die Tankstelle gesehen. Die Möglichkeit für 0.6 £ ein Liter Diesel zu tanken wollten wir uns nicht nehmen lassen.

Delfine vor Malaga

Als wir an Malaga vorbei segelten, schwammen auf einmal über 50 Delfine auf uns zu. Eine kleine „Familie“ begleitete uns mehrere Seemeilen spielend vor unserem Bug, bevor sie sich auch der grossen Gruppe angeschlossen haben. Ein einmaliges Erlebnis!

Nun schliessen wir unser zwei Sommer dauerndes Mittelmeer-Abenteuer mit 6.632 Seemeilen im Kielwasser (davon 3.539 in diesem Jahr) ab. Wir freuen uns auf die spanische Atlantikküste, Algarve, Madeira und Kanarische Inseln!

Sardinien, Menorca, Mallorca, Ibiza: Wer hat die schönsten Strände?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Was aber sicher ist: Im August ist es wahrscheinlich am schönsten in den Bergen. Die Buchten sind überfüllt, die Tische in den guten Restaurants nur mit zwei Tage Vorlauf zu bekommen und die Ersatzteile sind wegen den Ferien nicht erhältlich. Im August stehen Italien und Spanien still. Und wenn es dann eng wird in den Buchten, lassen die Spanier einen auch deutlich spüren, dass man hier nur ein Gast ist und sich hinten anstellen muss.

Schön war es trotzdem. Die Temperaturen waren an der Küste selten über 30 Grad. Mit einer leichten Brise lässt sich dass gut aushalten. Seit 12. Mai 2019 hatten wir zum ersten Mal wieder einen ersten Regentag hier auf Ibiza.

Als wir von Sizilien über Sardinien auf Menorca ankamen, wurde uns erst bewusst wie weit westlich wir uns schon bewegt haben. Wir sind zwar in der selben Zeitzone, die Sonne geht aber deutlich nach 6.00 Uhr morgens auf. Nur zwei, drei Wochen früher, war bereits um 5.00 Uhr morgens hell. Wir haben inzwischen insgesamt 6.000 Seemeilen im Kielwasser. Davon stammen rund 3.000 aus diesem Jahr.

Sardinien

Wir haben Sardinien nur kurz im Südwesten gestreift und waren begeistert von den schönen Sandstränden. Auch Carloforte auf der Isola di San Pietro hat uns sehr gut gefallen. Hier haben wir unseren Weisswein-Vorrat mit feinem Vermentino aufgefüllt (einem Verwandten der Malvasia aus Istrien).

Menorca

Den ersten Besuch von Menorca haben wir in Mahon in Angriff genommen, welcher in einer tiefen, von allen Seiten geschützten und weit verzweigten Bucht liegt und viele Gebäude in viktorianischem Stil aufweist, die Zeugen der britischen Kolonialzeit sind. Nautisch ist Mahon auch wegen der Rissaga interessant. Rissaga ist ein meteorologischer Tsunami. Es kommt nur ein- bis zweimal im Jahr vor und ist meistens nur schwach ausgeprägt. In einzelnen Fällen jedoch läuft das Hafenbecken innerhalb weniger Sekunden fast völlig leer, das Wasser kehrt dann in einer gewaltigen Welle zurück und verursacht mitunter große Schäden. Als wir da waren, wurde eine Rissaga mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 40% vorausgesagt.

Mallorca, Ibiza, Formentera

In Mallorca hatten wir Matteo und Riccardo zu besuch. Wir haben zusammen viele schöne Momente erlebt. Leider konnten wir nicht viel segeln, da uns der Wind in Stich gelassen hat. Dafür waren Jungs fleissig am fischen. Caro flog am gleichen Tag wie Matteo nach Zürich und verbrachte eine schöne Woche mit Rösli.